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Botanische Führung 2011 – „Was uns Pflanzen verraten“

Im Rahmen der 6. Hessischen Naturschutz-Erlebnistage hatte die Bürgerinitiative Waldpark Skiwiese zu einem botanischen Spaziergang mit dem Thema „Was uns Pflanzen verraten“ unter Leitung von Dr. Stefan Nawrath eingeladen.

Einführung ins Thema unter hohen Bäumen Unter den hohen Wipfeln der Laubbäume am Eingang zum Waldpark führte Dr. Nawrath in das Thema ein.
Pflanzen brauchen bestimmte Bedingungen, damit sie wachsen können, und stehen in dauernder Konkurrenz miteinander. Diejenigen Pflanzen, deren Ansprüche an Licht, Nährstoffe, Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit, Temperatur usw. am besten erfüllt werden, setzen sich durch und behaupten sich. Im Umkehrschluss erlauben viele von ihnen als sog. Zeigerpflanzen oder Bioindikatoren Rückschlüsse auf die Gegebenheiten dieses besonderen Standorts. Ändern sich die Standortbedingungen, versuchen Pflanzen sich anzupassen und sind damit mehr oder weniger erfolgreich. Die Verkürzung ihres Lebensrhythmus mit Hilfe von unterirdischen Speicherorganen – Knollen, Zwiebeln oder Wurzelstöcken – ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Anpassung der Frühblüher an die Lichtverhältnisse im Laubwald.
Buschwindröschen, Lärchensporn, Waldveilchen und Bärlauch wachsen, blühen und fruchten vor oder während des Laubaustriebs von Buche, Linde, Ahorn, Eiche und Esche. Lässt das Blätterdach der Bäume kaum mehr Licht durch, haben sie ihren Lebensrhythmus bereits vollendet und für ihr zeitiges Austreiben im nächsten Frühjahr vorgesorgt. Gelingt die Anpassung an die geänderten Bedingungen nicht, so verschwindet die Pflanze von diesem Standort.
Da die Ansprüche der einzelnen Pflanzenarten inzwischen gut erforscht sind, verrät das Vorkommen oder Fehlen bestimmter Pflanzen und Pflanzengesellschaften viel über Boden, Klima, Geschichte und Bewirtschaftung eines Standorts.

Die Vorgebirgslandschaft am Rande von Bad Nauheim war nicht immer bewaldet. Durch intensive Nutzung war der Wald zeitweise abgeholzt und in Ackerland verwandelt worden. Der Donnersgraben ist wahrscheinlich durch sehr starke Regenfälle und sturzartige Fluten in der waldlosen Zeit entstanden. Später hat sich hier ein Au- oder Schluchtwald entwickelt. Bäume und Büsche sind eingewandert oder wurden Anfang des vorigen Jahrhunderts extra hier angepflanzt.
Die Teilnehmer lernten Berg- und Spitzahorn sowie Sommer- und Winterlinde zu unterscheiden, sahen die hellen Nektarien an den Blattstielen der Vogel- und Traubenkirsche und erfuhren wie Eschen und Ahornarten ihre Samen verbreiten.

Ein kleines Mädchen reicht Dr. Nawrath eine blaue Blume. Es ist der Wiesensalbei, eine der Charakterpflanzen der Skiwiese. Dann öffnete sich der Weg und die Skiwiese lag vor ihnen. Der Wind strich über die Gräser, die Blütenstände glänzten im Sonnenlicht, und es sah aus wie silbrige Wellen, die über die Wiese liefen, dazwischen weiße, gelbe, rote und blaue Tupfer der Wiesenblumen. Dr. Nawrath brauchte sich nur zu bücken um immer wieder ein neues Pflänzlein vorzustellen. Die Teilnehmer dankten mit herzlichem Applaus.

Im Namen des gemeinnützigen Vereins Bürgerinitiative Waldpark Skiwiese lud deren Sprecher Hartmut Backhaus zur nächsten Veranstaltung ein: einer etwa dreistündigen Wanderung mit dem Thema „Die Vielgestaltigkeit der Waldränder rund um die Skiwiese“ am Samstag, 21. Mai um 15.00 Uhr.