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Botanische Führung 2012 – „Auswirkungen unterschiedlicher Bewirtschaftung von Wiesen – Veränderung der Pflanzengesellschaften“

Botanische Exkursion 2012 (3)Im Rahmen der 7. Hessischen Naturschutz-Erlebnistage hatte die Bad Nauheimer Bürgerinitiative Waldpark Skiwiese zu einem botanischen Spaziergang an der Skiwiese eingeladen.
Die Leitung hatte Dr. Stefan Nawrath.

Auf dem Parkplatz oberhalb des Eisstadions trafen sich über 20 botanisch interessierte Menschen, um seinen Ausführungen zu lauschen und die Natur in der stadtnahen Bad Nauheimer Parklandschaft zu erleben.
Die Verantwortlichen der BI freuten sich, unter den Anwesenden die Professoren Wolfgang und Roswitha Wiltschko begrüßen zu können, die früher mit Studenten Exkursionen im Waldpark Skiwiese durchgeführt haben und weltweit wegen ihrer Forschungen über den Vogelzug bekannt geworden sind.

Noch ehe das Wanderziel erreicht war, entdeckte Dr. Nawrath direkt gegenüber des Parkplatzes ein kleines Highlight: Eine früher einförmig grüne Rasenfläche leuchtete in gelb, blau, lila und weiß. Bewirkt hatte dieses kleine Wunder die veränderte Bewirtschaftung durch die Stadt Bad Nauheim. Auf frühzeitigen Rasenschnitt und Düngung war – vielleicht auch aus Sparsamkeitsgründen – verzichtet worden. Dr. Nawrath stellte die Pflanzen vor, darunter Knolliger Hahnenfuß, Kriechender Günsel und die ersten Margeriten.

Botanische Exkursion 2012 (2)Durch den Donnersgraben ging es bergauf und hinaus auf die Skiwiese, wo noch die Grün- und Gelbtöne dominierten. Der Höhenunterschied machte sich in der Entwicklung der Vegetation bemerkbar.
Bei der Bank am X-Weg angekommen – der ersten von 63 von der BI renovierten Bänken – stellte Dr. Nawrath verschiedene Gräser vor, darunter Stickstoffanzeiger wie den Fuchsschwanz und Magerkeitsanzeiger wie das Gemeine Ruchgras.

Traditionell wurden Wiesen nicht gedüngt, der vorhandene Naturdünger war den Ackerflächen vorbehalten. Deshalb konnten sich artenreiche Kräuter- und Blumenwiesen entwickeln. Erst mit dem Aufkommen des chemischen Düngers konnten die Landwirte es sich leisten, auch die Wiesen zu düngen.
Die Folge war ein Rückgang des Artenreichtums und der Wiesenblumenflora. Wenige Fettgrasarten breiteten sich aus und die Wiesen wurden ertragreicher aber eintöniger.
Auf einer stark gedüngten Wiese fehlen dem Heu und erst recht dem Silofutter die gesunden Inhaltsstoffe vieler Kräuter.

Je artenreicher eine Wiese ist, desto ökologisch wertvoller ist sie. Dr. Nawrath bewertete die Skiwiese als mittelmäßig wertvoll. Sie hat sehr schöne blütenreiche Stellen, aber auch weniger schöne von Fettgräsern dominierte. Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeitsgrad und Besonnung, beziehungsweise Beschattung sind auf ihr nicht einheitlich. Am blütenreichsten sind die sonnigen Hänge, auf denen der Wiesensalbei gerade zu blühen anfängt und auf denen Margeriten und Rundblättrige Glockenblumen bald folgen werden.

Botanische Exkursion 2012 (1)Bei einem vollständigen Verzicht auf Düngung wäre die Wiese noch viel bunter und artenreicher, und möglicherweise käme auch die eine oder andere Rarität zum Vorschein.
Wichtig ist, dass die Wiesenblumen vor der Mahd ihre Samen verbreiten können. Frühester Mahdzeitpunkt ist deshalb Mitte Juni. Mehrmalige frühzeitige Mahd zur Silobereitung hat einigen Teilen der Wiese bereits geschadet. Die Wiese braucht eine extensive, behutsame Bewirtschaftung mit ein bis zweimaliger Mahd. Gänzlich ohne Mahd würde der Wald sich die Wiese zurückholen.

Auf dem Wirtschaftsweg ging es weiter bergauf und die Teilnehmer erfreuten sich an den großen gelben Blüten des Wiesen-Bocksbarts, entdeckten am Wegrand Silberfingerkraut und Kuckucks-Lichtnelke und dankten Dr. Nawrath zum Schluss für die sehr informative Führung.