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Osterspaziergang April 2017

 

Dr. Doris Jensch von der NABU Umweltwerkstatt

 

Mehr als 20 Mitwanderer folgten einer gemeinsamen Einladung der BI Waldpark Skiwiese Bad Nauheim e.V. und der NABU-Umweltwerkstatt Wetterau e.V. zur botanischen Führung in den Waldpark und auf die Skiwiese Bad Nauheim.
Unter Leitung der Biologin Frau Dr. Doris Jensch war das Motto die Pflanzenvielfalt rund um die Skiwiese und insbesondere die Frage nach der Essbarkeit unserer heimischen Pflanzen.


Trotzdem es am Morgen noch recht heftig geschneit hatte und einige belaubte Äste der Traubenkirschen sich unter der Last des Schnees bedenklich durchgebogen haben, gab es an jeder Ecke die gerade austreibende Pflanzenvielfalt zu bewundern.
Schon im Donnersgraben fielen die sich in den letzten Jahren immer mehr ausbreitenden  Bärlauchmatten auf. Gründe hierfür: die Luftbelastung mit Stickoxiden. Sie fördern als Eintrag in den Boden das Bärlauchwachstum, dazu kommen die steigenden Temperaturen. Eine Verwechslung mit giftigen Maiglöckchen sollte tunlichst unterbleiben. Der stark knoblauchartige Geruch des Bärlauchs und seine stumpfe Blattunterseite unterscheiden ihn jedoch eindeutig von dem giftigen „Doppelgänger“, das zusätzlich noch jeweils immer zwei Blätter an einem Stengel hat.

 

Die Gruppe mitten im Bärlauch im Donnersgraben
Unter den vom Schnee gebrochenen Kirschbaumästen


Die Wirkstoffe der Beeren des Weißdorns, er kommt an der Skiwiese in drei Arten vor, lassen sich zum Senken des Blutdrucks verwenden. Daneben verbreitet sich die kleinfrüchtige Kratzbeere, die der Brombeere recht ähnlich ist, immer mehr. Ihre Triebe schlängeln sich wie Lianen am Boden und Wuzeln bei jeder Gelegenheit, wodurch sich neue Pflanzen entwickeln können. Eine solche vegetarische Vermehrung, die ohne Blüten auskommt, findet sich auch bei der Brombeere. Sie bildet eine große Zahl an lokalen Varietäten.
Doris Jensch wies anschließend auf die rote Heckenkirsche hin, deren Früchte stark an Johannisbeeren erinnern und so besonders für Kinder gefährlich werden können.

Drei Ahornarten, Feld-, Berg- und Spitzahorn lernten die Teilnehmer anhand ihrer  Merkmale, wie Wuchs und Blattformen kennen und welche Ansprüche an den Standort sie stellen.

Die Frage nach der Auswahl von einheimischen Gehölzen für eine Hecke ergab folgende Auswahl: der prächtig blühende Weißdorn, der immergrüne, aber leider giftige, Liguster, sowie Hainbuche und Feldahorn.

Eine Ulme konnte aufgespürt werden, die Bestände gehen zurück. Grund dafür ist der Ulmensplintkäfer, der mit Holztransporten aus Nordamerika im 19.Jahrhundert  eingeschleppt wurde. Vom Rhein ausgehend verbreitete sich der Käfers. Er ist von einem Pilz infiziert, der die Wasserleitungsbahnen der Bäume versperrt.

Zum Sammeln von Kräutern gab es folgende Hinweise: abseits der Wege sammeln, da dort Verschmutzungen durch Hunde nicht zu erwarten sind.  Bleibt die Gefahr durch den Fuchsbandwurm. Durch ihm kommt es zu ca. 30 Neuerkrankungen laut Robert-Koch-Institut in Deutschland im Jahr. Das Risiko ist somit recht gering. Wer dies alles vermeiden will, sollte somit die Wildkräuter im heimischen Garten kultivieren.

 


Zwei weitere essbare Kräuter vom Wegesrand: der Doldenblütler Knoblauchsrauke. Sie darf nicht mit den giftigen aber später blühenden Wasserschierling und  Hundspetersilie verwechselt werden. Dazu der unverwechselbare Löwenzahn: als Salat oder die Blüten in Zuckerwasser für einen leckeren Gelee.
Anschließend konnten vorgestellt werden: der Stumpfblättriger Ampfer ist im Gegensatz zum essbaren Sauerampfer, nicht essbar. Auch auf den Sauerampfer sollten Personen mit Nierensteinen wegen der Oxalsäure verzichten.  Wiesenbärenklau: nur gekocht verzehren. Sein großer Bruder, der Riesenbärenklau, der an der Skiwiese nicht wächst,  ist durch seine Furanocumarine gefährlich. Sie verursachen in der Haut in Verbindung mit Licht Verbrennungen.
Die Bestände des Wiesenschaumkrauts auf der Wiese und an einigen Wegesrändern an halbschattigen nährstoffarmen feuchten Böden gehen durch die Bewirtschaftung zurück, was auch auf die Schlüsselblume zutrifft.


Beim Gundermann, ein Vertreter der Lippenblütler, wachsen aus den Blattachseln die blassvioletten Blüten. Der Gundermann liebt feuchte Böden und ist häufig auf Wiesen, Brachland, an Wegrändern und auf Äckern zu finden. Seine Blütenstände schmecken leicht nach Minze.
Das Wiesenlabkraut ist vor der Blüte nach Blanchieren essbar. Danach jedoch nicht mehr, da Kumarin wie beim Waldmeister gebildet wird. Das gelbblühende Scharbockskraut wurde früher als Vitamin C-Spender im Frühjahr genutzt, jedoch auch nur vor der nur vor der Blüte, da es danach giftige Wirkstoffe bildet. Der Rote Hartriegel bildet Früchte, die zu Marmelade verarbeitet werden können. Der Rest der Pflanze ist ungenießbar, genauso wie der wollige Schneeball. Bei dessen doldenartigen Fruchtständen ist man sich nicht sicher, ob sie giftig sind. Vögel fressen sie nur, wenn nichts anderes da ist.

Den Abschluss der Wanderung bildete die Begehung der eigentlichen Skiwiese. Sie wird bewirtschaftet. Als Folge von Düngung und Bodenverdichtung kann eine Abnahme der Pflanzenarten beobachtet werden, die nährsalzarme Böden bevorzugen. Unter ihnen die Aurechte Trespe, Knäuelgras, Margerite, Karthäuser-Nelke und Flaumhafer.  


Das führt neben der Verringerung des Artenreichtums der Bodenfauna auch zu einer Verarmung der Insektenwelt. Vogel- und Reptilienarten, die sich wiederum von diesen ernähren, verschwinden einfach. Würde auf eine Bewirtschaftung mit schweren Traktoren sowie Düngung verzichtet, käme es  nach einigen Jahren wieder zu einer Zunahme der Artenvielfalt.

Bleibt die Frage: wie soll die Skiwiese aussehen und welchen ökologischen Zustand soll sie haben?  Eine größere Artenvielfalt ist auf jeden Fall wünschenswert. Im jetzigen Zustand sind Löwenzahn, Goldschopfhahnenfuß, Krauser Ampfer, sowie Brennnesseln auf ihr weit verbreitet. Die Skiwiese wird als Salbei-Glatthafer-Wiese geführt. Sie bekam aber bisher keinen Flora Fauna Habitat-Status, der eine Bewirtschaftung einschränkt. Da solche Biotope in der Wetterau an anderer Stelle diesen Status schon vorher verliehen bekamen, ging sie leer aus.

                                                                                                                              

Daneben wurde an diesem Nachmittag allen Teilnehmer klar, dass die am Wegesrand wachsenden Kräuter  als vitaminreiche Ergänzung von Salaten in der Küche gut verwendet werden können.
Dafür sollte man auf jeden Fall immer wissen, was giftig oder ungiftig ist. Das vermittelte Frau Jensch im Rahmen der zweistündigen Wanderung mit einer Anzahl von 35 Pflanzenarten auf überzeugende und eindrucksvolle Art.


Die nächste Veranstaltung der BI Waldpark Skiwiese e.V. ist am 21.5.